Meldung vom 09.01.2015 / KfW Entwicklungsbank
Auch Verhalten muss sich ändern
Unterernährung ist eine Herausforderung
Der Mediziner und Afrika-Experte Dr. Kai Gesing berichtet über seine Erfahrungen als Arzt in Afrika und den Kampf gegen Hunger.
Herr Gesing, womit befassen Sie sich konkret?
Unterernährung war schon in den 60er Jahren eine Herausforderung. Es geht darum, dass Nahrungsmittel für alle verfügbar sind. Natürlich hilft mehr Nahrungsmittelproduktion dabei, akute Probleme zu lösen. Als Mediziner beschäftigt mich heute aber auch die Frage, welche Lebensmittel wie verwendet werden – ist ihr Nährwert hoch genug, haben sie ausreichend Vitamine und Mineralien? Zum Beispiel sind 50 % der Kinder in vielen Ländern Afrikas fehlernährt, auch weil sie zu einseitig essen.
Sie haben vier Jahre in Burkina Faso gearbeitet…
Ja, als leitender Arzt in einem Krankenhaus. Ich hatte eine Station mit unterernährten Patienten. Junge Mütter wissen oft nicht genug über gesunde Ernährung. Ein großes Problem in Westafrika ist auch, dass Kinder plötzlich abgestillt werden, weil die Mutter erneut schwanger ist. Dahinter steckt ein Tabu, eine kulturelle Frage. Die Folge ist, dass die ruckartig abgestillten Kinder ihre Essgewohnheiten umstellen müssen und gegenüber älteren Geschwistern zu kurz kommen.
Was wird für Ernährungssicherheit gebraucht?
Als erstes muss Nahrung überhaupt verfügbar sein; eine gesunde, abwechslungsreiche Zubereitung des Essens gehört ebenso dazu, wie Hygiene, sauberes Wasser und Bildung. Zudem müssen Arme gegen Ernteausfälle und Krankheitskosten sozial abgesichert sein. Um langfristig Mangelernährung zu beseitigen, muss man übergreifend in mehreren Sektoren ansetzen.
Was tut die KfW?
Der Schwerpunkt der landwirtschaftlichen Projekte, die die KfW Entwicklungsbank im Auftrag der Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren finanziert hat, lag auf Armutsbekämpfung und Nahrungsmittelproduktion. Landwirtschaftliche Methoden sind verbessert, Kleingewerbe gefördert worden. Wir finanzieren auch Schulspeisungen. Man darf nicht vergessen, dass für die Entwicklung des Gehirns die ersten Lebensjahre entscheidend sind und damit die Ernährung. Kinder zeigen nachweislich bessere Leistungen in der Schule, wenn sie nicht an Hunger leiden. Zudem verursachen bestimmte Krankheiten Mangelernährung. Wir fördern daher auch Krankenhäuser und Gesundheitsstationen, damit Kinder möglichst rasch wieder Nahrung vollständig verwerten können und so in ihrer Entwicklung nicht gehemmt werden.
Von welchen Erfolgen können Sie berichten?
Die KfW hat gute Erfahrungen mit Projekten gemacht, bei denen es um Verhaltensänderung geht – was wichtig ist, um chronische Mangelernährung zu beseitigen. Ein Beispiel sind Kampagnen für den Bewusstseinswandel beim Schutz vor HIV/AIDS oder beim Umgang mit der Krankheit. So ist es gelungen, dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus in vielen Ländern Afrikas endlich rückläufig ist. In anderen Projekten ist es durch Aufklärungsarbeit gelungen, dass sich HIV-positive Menschen ausreichend ernähren können und mit sauberem Trinkwasser versorgt sind.
Sie sind also optimistisch?
Bevölkerungswachstum ist für mich die größte Herausforderung, wenn wir über Ernährungssicherung sprechen. Schon zu meiner Schulzeit war Überbevölkerung ein Thema. Damals ging es um Asien. Heute geht es kaum noch um Länder wie China oder Indien. Ich glaube, dass sich auch die extremen Wachstumstrends in Afrika langsam stabilisieren. Doch in einzelnen Ländern mit sehr traditionellen landwirtschaftlichen Produktionsweisen, wie in dem dicht bevölkerten Burundi, sind die Herausforderungen noch immens.

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