Stand: 06/2023
Die Folgen des Klimawandels sind überall zu spüren: Wie auch der neue Bericht des Weltklimarates zeigt, nehmen Wetterextreme wie Stürme, Dürren und Überschwemmungen weltweit zu. Solche Katastrophen können insbesondere die Länder des globalen Südens in wirtschaftliche Not und die Menschen in tiefe Armut stürzen. Die von der KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiierten InsuResilience Investment Funds (IIF) unterstützen die Anpassung an den Klimawandel.
Die IIF investieren in Unternehmen der Versicherungswirtschaft, um den Zugang zu Klimarisikoversicherungen in Entwicklungsländern zu erweitern. Dabei spielen digitale Methoden eine große Rolle, etwa wenn Wettermodelle für Versicherungsangebote aufbereitet und modelliert werden, Wetterstationen Klimadaten erheben und weiterleiten oder über digitale Kanäle Policen vertrieben und Wetterinformationen für die Zielgruppen aufbereitet werden.
Der Klimawandel trifft die Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika besonders hart: Die Wetterextreme entladen sich dort meist sehr heftig und treffen häufig auf eine anfällige Infrastruktur sowie eine arme Bevölkerung. Wenn Brücken oder Straßen überschwemmt oder zerstört werden, leidet die Wirtschaft eines Landes, und eine nachhaltige Entwicklung ist kaum noch möglich. Wenn die Ernte durch Dürre vernichtet wird und das Vieh der Bauern verdurstet, stehen die Menschen oft vor dem Nichts. Sie haben fast ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Dann müssen Ersparnisse aufgebraucht werden oder die Kinder sogar die Schule verlassen. Bei den internationalen Klimaverhandlungen wird daher oft über „Loss and Damage“ (Schäden und Verluste) durch den Klimawandel diskutiert, wobei die Industrieländer als Hauptverursacher und die Entwicklungsländer als Hauptleidtragende gelten.
Im Rahmen der G7, unter deutscher Präsidentschaft in den Jahren 2015 und 2022, hat Deutschland stark dazu beitragen, dass das Thema der Schäden durch den Klimawandel intensiv diskutiert wurde und durch die InsuResilience Global Partnership und jetzt den „Globalen Schutzschirm gegen Klimarisiken“ die Resilienz von armen und vulnerablen Bevölkerungen gestärkt wird.
Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership ist die „InsuResilience Investment Fund“-Strategie seit 2015 derjenige Baustein, welcher privatwirtschaftliche Investitionen in nationale Versicherungswirtschaftsmärkte hebelt. Die beiden Fonds der Strategie fördern das Angebot von Klimarisikoversicherungen in den Ländern, in denen diese bislang nicht oder kaum verfügbar waren. Nationale Versicherungsgesellschaften oder Finanzinstitute werden dabei unterstützt, entsprechende Versicherungen in ihr Angebot aufzunehmen und die Kunden damit im Katastrophenfall abzusichern.
Ziel ist es, dass Regierungen, Unternehmen und die betroffenen Menschen schneller auf Katastrophen reagieren können und die Schäden rasch beheben. Regierungen können zum Beispiel zerstörte Brücken und Straßen zügig instand setzen, Unternehmen, Geschäfte oder Fabriken wieder aufbauen und Bauern schnell neues Saatgut kaufen. Die Verwundbarkeit durch den Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterextreme wird damit deutlich reduziert sowie der wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden begrenzt.
Die Projektunternehmen bedienen sich dabei moderner Digitalisierungsmethoden: Automatisierte Wetterstationen und Satelliten erheben Daten über Regenmengen und Windstärken. Sie geben Aufschluss über Temperaturschwankungen oder den Verlauf von Tropenstürmen und Hurrikans. Durch computergestützte Modelle über den voraussichtlichen Verlauf von Stürmen ist es sogar möglich, dass die Menschen Versicherungszahlungen erhalten, noch bevor die Katastrophe eintritt. So können sie zum Beispiel Gebäude frühzeitig sichern oder sich selbst, ihre Familien und Vieh vor drohenden Überflutungen in sichere Gebiete bringen.
Bis Jahresende 2022 haben beide Fonds Eigenkapital in Höhe von rund 76 Mio. US-Dollar sowie Darlehen in Höhe von ca. 174 Mio. US-Dollar in 31 Unternehmen auf vier Kontinenten investiert. Davon profitierten bislang gut 34 Mio. Menschen. Bis Ende 2025 soll die Zahl der Begünstigten auf 90 bis 140 Millionen steigen.
Die Fonds arbeiten auf allen Kontinenten: Über eine Investition in das asiatische InsurTech Igloo wird in Vietnam ein landesweites Agrarversicherungssystem in Kooperation mit staatlichen Akteuren aufgesetzt. Das Programm wird wissenschaftlich begleitet, um von den Erfahrungen beim Aufbau von weiteren Klimaversicherungsprogrammen der Region zu profitieren. In Nigeria wird die älteste Versicherung des Landes „Royal Exchange“ dabei unterstützt, den Fokus von Öl- und Gasversicherung verstärkt auf Agrar- und Klimaversicherung zu verlegen. Die Fondsunternehmen investieren dabei intensiv in digitale Methoden. In Indien wird zum Beispiel die Infrastruktur für die Messung von Wetterdaten ausgebaut, vor allem durch automatische Wetterstationen.
In Pakistan können mit Hilfe einer lokalen Mikrofinanzinstitution, die vom IIF unterstützt wurde, Bäuerinnen und Bauern den Kauf von Vieh leichter finanzieren, indem sie aufgenommene Mikrokredite mit einer Klimarisikoversicherung koppeln. Die Versicherten werden entschädigt, wenn ihr Vieh aufgrund von Wetterextremen stirbt. Das Prinzip hat sich bereits bewährt: Die Versicherung deckte im August 2022 durch Überschwemmungen entstandene Schäden für mehr als 1.200 Menschen ab.
Auf der finanziellen Ebene zeichnen sich die Fonds dadurch aus, dass zusätzliches privates Kapital mobilisiert wird. Mehr als ein Drittel des eingezahlten oder zugesagten Kapitals stammt von privaten Investoren, die sich ohne den Einsatz der öffentlichen Mittel durch die KfW und anderer Geber kaum auf die noch unterentwickelten Versicherungsmärkte in Entwicklungsländern gewagt hätten.
Zur Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen leistet das Vorhaben einen Beitrag:
KfW Bankengruppe
Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank
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